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Kleine Gruppe und Corona? Lass mal Hochschultage machen!

14.12.2021

Kleine Gruppe und Corona? Lass mal Hochschultage machen!

Wer letzte Woche über den Campus der Universität Potsdam gelaufen ist, hat auf dem Boden Kreidebotschaften entdeckt und ist einem Dino, einem Einhorn und einem Osterhasen mit einem besonderen Einkaufswagen begegnet. Was hat es damit auf sich? Dazu jetzt ein Interview mit den initiierenden Studierenden:

Christian: Wir haben mit der SMD-Gruppe in Potsdam Hochschultage organisiert und jeden Abend zu Vorträgen eingeladen, die sich mit Grundfragen des christlichen Glaubens auseinandergesetzt haben. Über die Tage haben wir verschiedene Aktionen auf dem Campus gemacht, um mit Leuten ins Gespräch zu kommen und sie einzuladen.

Susanna: Warum der Dino und das Einhorn? Wir wollten dadurch Aufmerksamkeit erregen und Gespräche anregen. Wir haben die Leute gefragt: „Glaubst du, dass es heute noch Einhörner und Dinos gibt? Nein, aber gibt es Gott…?“ Vielleicht ein bisschen an den Haaren herbeigezogen, aber viele fanden es lustig und es hatte Wiedererkennungswert. 
Und dann gab es noch den Einkaufswagen: Wir hatten nicht so viel Zeit zwischen dem Semesterstart und dem Start der Einladeaktionen. Relativ spontan dachte ich, dass wir vielleicht ohne großen Plan einfach mal anfangen und rausgehen sollten. Wir wollten Glühwein verschenken, aber ich war alleine. Am nächsten Tag habe ich einfach einen Einkaufswagen von einem Supermarkt geholt, alles reingepackt und dann sind wir mit dem mobilen Stand − dem Glühwein-Express – über den Campus gelaufen und haben Werbung für die Hochschultage gemacht. Damit waren wir mega flexibel – der Mobile Stand ist sogar S-bahn gefahren. Diese Aktion hat natürlich Neugierde geweckt und die Leute fanden das genauso witzig wie die Kostüme. Ein großer Vorteil: ich konnte einfach auf die Leute zugehen und sie mussten nicht erst zu mir kommen.

Wozu habt ihr die Leute mit euren Aktionen auf dem Campus eingeladen?

Susanna: An vier Abenden haben wir Hörsäle gemietet und Vorträge veranstaltet. Unser Motto war „glaUPwürdig“ (UP = Universität Potsdam) und wir haben dazu Vorträge mit dem Pontes Institut wie „Von Illusion getäuscht. Ist der Glaube nur Einbildung“, oder zu den Themen Glaubwürdigkeit der Bibel oder Leid veranstaltet. [hier kannst du einen Vortrag nachhören].
Unsere Motivation Hochschultage zu organisieren kam daher, dass wir explizit Leute auf dem Campus erreichen wollten und nicht mehr in unserer eigenen SMD-Bubble (wo viele eine ähnliche Meinung haben) Däumchen drehen und Dinge besprechen wollten.

Christian: Wir wollten auch gezielt Leute herausfordern gedanklich Neues zu wagen und für Leute sichtbar sein, die auf der Suche sind. um ihnen einen Ort anzubieten, an dem sie ihre Fragen bewegen können.

Wie lief die Woche ab?

Christian: Unser Programm ging von Montag bis Donnerstag. Jeden Morgen haben wir uns mit den Mitarbeitenden und ReferentInnen zum Gebetsfrühstück getroffen. Wir haben für Leute, Begegnungen und Aktionen gebetet und Absprachen für den Tag getroffen. Dann ist jeder in seinen Tag gestartet. Manche mussten zur Uni, andere haben Stände aufgebaut und geflyert. An manchen Tagen hatten wir eine stille Diskussion am Campus aufgebaut, zum Beispiel zur Frage: „Woher kommt das Leid in der Welt“. Nachmittags ging es dann ans Aufbauen für die Vorträge am Abend.

Susanna: Für die Gruppe war es auch mega wichtig, dass wir am Sonntagabend gemeinsam in diese Woche gestartet sind mit letzten Orga-Absprachen, Gebet und Austausch. Freitagabend haben wir die Hochschultage gemeinsam beendet, alles aufgeräumt aber auch mit Dankesrunde gemeinsam Abschluss gefeiert.

Gibt es eine Begegnung, die euch besonders hängen geblieben ist?

Christian: Ich hatte am Neuen Palais (das ist der gesellschaftswissenschaftliche Standort der Uni) ein ganz spannendes Gespräch mit einem Philosophiestudenten. Wir hatten dort eine stille Diskussion zur Leidfrage aufgebaut. Er fand das richtig spannend, weil er gerade ein paar Kurse belegt hatte, die sich mit dem Thema beschäftigen. An unserem Stand haben wir uns dann ziemlich lange über das Thema und seine Gedanken dazu ausgetauscht. Am nächsten Tag ist er zum Vortrag gekommen. Er meinte, dass er unabhängig von den Vorträgen Lust hat, zusammen einen Evangelientext zu lesen. Wir werden uns jetzt treffen und das Markusevangelium gemeinsam lesen.
Die Woche Hochschultage ist nun vorbei. Wie geht es jetzt weiter?

Christian: Eine Woche nach den Hochschultagen haben wir einen Abend zur Biographie (Markus-Evangelium) mit gemeinsamem Bibellesen angeboten. Dazu haben wir gezielt die Studierenden, die wir während der Hochschultage kennengelernt haben, eingeladen (wir haben alle Kontakt jemandem aus dem Team zugeteilt und persönlich eingeladen). Unser Wunsch war, dass das der Aufhänger ist, dass einzelne Leute mit ihren Freunden weiter Bibel lesen – aber im persönlichen Rahmen.

Wie haben die Hochschultage eure Gruppe geprägt?

Susanna: Spannende Frage! Wir sind eine kleine Gruppe und in dieses Semester mit einer Gruppengröße von 10 RiLis gestartet. Wichtige MitarbeiterInnen sind im letzten halben Jahr gegangen, weggezogen oder mit dem Studium fertig geworden. Durch Corona war die Kommunikation miteinander schon erschwert und es war nicht wirklich greifbar, was wir machen oder eben nicht mehr machen können. Wir haben deshalb im unmittelbar davor zwei Gruppenabenden mit Fokus auf die Hochschultage gemacht um alle (Neuen) mit ins Boot zu holen und zu kommunizieren, worum es geht, wo wir Unterstützung brauchen. Das hat gut geklappt und ein paar Neue sind dadurch mehr in die Gruppe reingekommen.
Ich würde sagen, dass uns das auf jeden Fall zusammengeschweißt hat. Aber für das nächste Mal können wir auf jeden Fall an der Kommunikation arbeiten ?

Christian: Eine Herausforderung in diesen ganzen Prozessen war, dass wir die Hochschultage ursprünglich schon viel früher, mit einem größeren Team und in einer ganz anderen Größenordnung geplant hatten Wir mussten die Hochschultage von Mai auf November verschieben und es gab ein Wechsel im Planungsteam. Für Mai hatten wir die Hochschultage richtig groß geplant: Ein Zelt, Mittags- und Abendvorträge und weitere Aktionen. Als wir umplanen mussten, haben wir festgestellt, dass das ganze drumherum ganz nett ist, unsere Kraft begrenzt ist, wir wenige Leute sind. Mit weniger (Wo)menpower wollen wir lieber die Aktionen zurückfahren und uns auf das Wesentliche – die Vorträge − konzentrieren.

Ihr habt gerade die Gruppengröße als Herausforderung angesprochen. Wie sah es mit Corona aus?

Susanna: Wir haben natürlich bis zum Schluss gebangt, ob wir die Hochschultage spontan absagen müssen. In vielen Hochschulen findet mittlerweile wieder ausschließlich Online-Lehre statt. Eine Woche vorher hat die Uni Potsdam entschieden, die Lehre so weit wie möglich weiter in Präsenz beizubehalten. Das war für uns die offene Tür.

Christian: Eine weitere Herausforderung war, dass generell nicht so viele Leute auf dem Campus unterwegs sind. Am zweiten Tag haben wir spontan einen Insta-livestream angeboten. Das hat mit relativ wenig Aufwand gut funktioniert und es haben einige Leute reingeschaut.
Insgesamt können wir aber echt sagen, dass wir mega dankbar sein können, dass wir es diese Woche gemacht haben. Eine Woche später hat sich die Corona-Lage sehr verschärft.

Was würdet ihr anderen kleinen Gruppen mit auf dem Weg geben, wenn sie Hochschultage organisieren wollen?

Christian: Gerade bei einem kleinen Team ist es wichtig sich Gedanken zu machen, worum es geht, was tatsächlich essentiellwichtig und was „nice-to-have“ ist. Obwohl wir richtig Lust auf noch mehr hatten, haben wir uns aufgrund unserer Kapazitäten bewusst begrenzt. Ein krasses Raumkonzept, Deko, ein Zelt mieten usw. bringt nichts, wenn nur wenige Leute kommen, weil es kaum Einlade-Aktionen gibt oder alle Mitarbeitenden so eingespannt sind, dass sie nicht mehr in ihren Freundeskreisen unterwegs sein können.

Susanna: Ich würde noch hinzufügen: gute Kommunikation, klare Strukturen und Verantwortlichkeiten, kein Leitungswechsel (wenn möglich), gute Vernetzung, (damit zu merken, wie es dem Team geht) und Einzelnen aus dem Team nachgehen.
Und unterschätzt die Aktionen auf dem Campus nicht, selbst wenn Leute nicht kommen. Studis haben meistens Zeit für ein kurzes Gespräch. Super viele haben spannende Fragen gestellt. Auch dadurch haben viele Leute Berührungspunkte mit uns Christen an der Uni bekommen. Darauf kommt es an.

Zwei Gründe, warum es sich lohnt als SMD-Gruppe Hochschultage zu machen...

Christian: …weil es einen nochmal neu herausfordert am Campus aktiv zu sein, einzuladen und Leute herauszufordern sich mit dem christlichen Glauben zu beschäftigen. Dadurch kann man viele Leute erreichen. Klar, das passiert auch bei Hörsaalvorträgen, aber bei so einer großen Aktion ist immer noch mehr commitment dahinter und es ist ein größeres Herzensanliegen.

Susanna: Hochschultage lohnen sich, weil an vier Tagen aufeinander Vorträge stattfinden. So kann man von einem Abend auf den nächsten schließen. Am ersten Abend waren sehr viele interne Leute da, wenige Leute vom Campus, das hat uns alle herausgefordert, nochmal kräftig Werbung in unseren Freundeskreisen zu machen. Am nächsten Abend waren dann deutlich mehr Leute da, die nichts mit dem christlichen Glauben zu tun haben. Das hat uns alle herausgefordert Leute in unseren Freundeskreisen in den Blick zu nehmen
Vielleicht ist noch eine Sache zu sagen: Die Einlade-Aktionen und Themen waren nicht nur für die Leute auf dem Campus richtig gut, sondern sie haben mich auch persönlich in meinem eigenen Glauben herausgefordert. Wir müssen uns als christliche Hochschulgruppe hinter unseren Themen nicht verstecken. Das auf dem Campus offen zu kommunizieren, macht Mut.

Die Fragen stellte Gigi Schmidt

Wenn du Lust hast, Hochschultage zu organisieren, dann sprich deinen RegionalreferentIn an, schau beim Hochschultage-Trainingstag in Hannover oder Nürnberg am 05. Februar vorbei und informiere dich im Mitarbeiterportal wie man Hochschultage organisiert.